Von der Vorlage zur eigenen Bildsprache
Jasmin MeiroseShare
An der Kunstschule begann vieles mit dem genauen Hinsehen. Gipsköpfe, Porträtvorlagen und Aktstudien dienten als Grundlage, um Proportionen, Licht, Schatten und Formen zu verstehen.
Die Aufgabe war zunächst nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern zu lernen, richtig zu sehen.
Doch je länger ich mich mit den Vorlagen beschäftigte, desto stärker entstand der Wunsch, sie nicht nur abzubilden, sondern zu verändern. Aus klassischen Gipsköpfen wurden expressive Gesichter. Aus realistischen Porträts entstanden kantige, kubistische Interpretationen. Aus anatomischen Studien entwickelten sich freie, gestische Figuren.
Die Vorlagen blieben dabei ein Ausgangspunkt, aber nie das Ziel.
Besonders spannend finde ich heute die Gegenüberstellung von Original und Interpretation. Sie zeigt, wie aus einer beobachteten Form nach und nach eine eigene Bildsprache entsteht. Was als Übung beginnt, wird Schritt für Schritt persönlicher, freier und mutiger.
Genau darin liegt für mich einer der wichtigsten Aspekte künstlerischer Entwicklung: Nicht die perfekte Kopie einer Vorlage, sondern der Moment, in dem man beginnt, seine eigene Sicht auf das Motiv zu zeigen.
Die folgenden Arbeiten zeigen diesen Weg, von der Vorlage bis zur freien künstlerischen Interpretation.

Aktstudie → Freie Figur
Aus anatomischer Beobachtung entsteht eine lockere, expressive Darstellung.

Apollo → Kubistische Reduktion
Studium von Form und Proportion als Ausgangspunkt für eine abstrahierte Bildsprache.

Homer → Farbexpression
Vom klassischen Gipskopf zur freien, farbintensiven Interpretation.

Seneca → Kubistische Interpretation
Die markanten Formen der Skulptur wurden zur Grundlage einer geometrischen Neuinterpretation.