Wenn Figuren die Leinwand verlassen – Neue Wesen entstehen
Jasmin MeiroseShare
Manchmal beginnt ein Kunstwerk nicht mit einem Plan, sondern mit einer Frage.
Was passiert eigentlich, wenn eine Figur meine Leinwand verlässt?
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit genau diesem Gedanken. Viele Charaktere, die in meinen Gemälden auftauchen, entwickeln im Laufe des Malprozesses ein Eigenleben. Sie erscheinen plötzlich, verändern sich und erzählen Geschichten, die ich zu Beginn selbst noch nicht kenne.
Nun wagen einige dieser Wesen den nächsten Schritt: Sie werden dreidimensional.
Von der Malerei zur Skulptur
Aktuell entstehen in meinem Atelier die ersten Tonfiguren, inspiriert von Charakteren aus meinen Japan-Bildern. Noch sind sie schwarz und unbemalt. Die Formen entwickeln sich Stück für Stück aus dem Ton, fast so, als würden sie sich selbst ihren Weg in die Welt bahnen.
Während ich an ihnen arbeite, erkenne ich immer mehr Eigenschaften und Persönlichkeiten. Manche wirken neugierig und verspielt, andere nachdenklich oder geheimnisvoll. Obwohl sie noch unfertig sind, besitzen sie bereits eine erstaunliche Präsenz.
Die Geburt neuer Charaktere
Besonders faszinierend ist für mich, dass jede Figur anders reagiert. Keine entsteht nach einer festen Vorlage. Stattdessen entwickelt sich jede Form intuitiv.
Die Figuren erinnern an Wesen aus einer Traumwelt zwischen Erinnerung, Fantasie und japanischer Popkultur. Sie tragen Spuren meiner Malerei in sich, suchen aber gleichzeitig ihre eigene Identität.
Genau dieser Moment interessiert mich als Künstlerin: der Übergang zwischen Bild und Skulptur, zwischen Fläche und Raum.
Noch schwarz – bald voller Farbe
Der aktuelle Zustand zeigt lediglich den Anfang.
In den nächsten Schritten werden die Figuren bemalt und erhalten die leuchtenden Farben, die viele meiner Gemälde auszeichnen. Kräftige Kontraste, intensive Farbschichten und kleine Details sollen ihnen zusätzlich Charakter verleihen.
Erst dann werden sie vollständig zu den Wesen, die ich bereits vor meinem inneren Auge sehe.
Warum dieser Schritt wichtig ist
Kunst muss für mich nicht an einer Leinwand enden.
Ich liebe es, Grenzen zwischen verschiedenen Ausdrucksformen zu überschreiten. Malerei, Skulptur, Installation und Fantasie dürfen miteinander verschmelzen. Die neuen Figuren sind deshalb nicht einfach nur Skulpturen. Sie sind eine Erweiterung meiner Bildwelten.
Sie erzählen dieselben Geschichten wie meine Gemälde – nur auf eine neue Art.
Ein Blick hinter die Kulissen
Mit diesem Beitrag möchte ich euch bereits jetzt einen ersten Einblick geben, noch bevor die Arbeiten fertiggestellt sind.
Ich finde es spannend, nicht nur das fertige Ergebnis zu zeigen, sondern auch den Weg dorthin. Kunst entsteht selten geradlinig. Sie wächst, verändert sich und überrascht oft sogar die Künstlerin selbst.
Die ersten Wesen sind geboren.
Jetzt beginnt ihre Verwandlung.
Ich freue mich darauf, euch die fertigen Figuren bald zu zeigen.